Forschungsorientiert lehren


Forschungsorientierte akademische Lehre versteht Prozesse des (begeiteten) theorieorientierten Denkens als individuelle und kollektive, oftmals interdisziplinäre Beschäftigung mit Möglichkeiten und Einschränkungen von Annahmen, Theorien, Konzepten und Modellen. Dabei wird auf sprachliche Korrektheit geachtet, denn sie prägt die gedankliche Präzision maßgeblich. 

 

Lernprozesse gestalten

Forschungsorientierte Lernprozesse fördern die eigenständige Suche nach neuen Erkenntnissen, Einsichten und Erklärungen der Studierenden. Bei der Gestaltung konkreter Lernprozesse steht der bewusste Umgang mit formulierten Annahmen von Denkprozessen im Mittelpunkt. 

Eine Annahme ist eine formulierte Aussage, die zunächst für möglich gehalten wird, obwohl sie bisher weder bewiesen, begründet oder falsifiziert ist. Die Aussage ist spo zu formulierten, dass sie anhand ihrer Folgerungen überprüfbar ist. Insofern können sich Annahmen (empirisch und/oder kommunikativ) bewäh­ren oder nicht. Auch eine dem Augenschein widersprechende, sich der empirischen Überprüfung entziehende, kommunikativ nicht weitergeführte Annahme kann sich bewähren, wenn sie bestimmten Kohärenz- und Konsistenzansprüchen genügt.

Das als "möglich" Denkbare ist immer auch ein Teil des Wirklichen. Und mit einer Variation des Kontextes, des Zeithorizonts, des Abstraktionsniveaus, der Perspektive oder der Skalierung ergeben sich bislang nicht zugängliche, mögliche Erkenntnisse des Wirklichen. Derartige Variationen erweitern die Menge der kombinatorischen Möglichkeiten des Wirklichen außerordentlich.

Betriebswirtschaft lehren
Fragestellungen der Betriebswirtschaftlehre beziehen sich auf den Prozess der (verteilten) arbeitsteiligen Wertschöpfung in/zwischen Organisationen als
größten gemeinsamen Nenner betriebswirtschaftlichen Denkens.
Das forschungsorientierte Lehren geht der Frage nach, wie man Organisationen (mit sozialen Algorithmen) modellieren kann. Gesucht, benutzt und geprüft werden geeignete Algorithmen (Handlungsvorschriften) aus endlich vielen, wohldefinierten Einzelschritten zur Lösung eines Problems oder einer Klasse von Problemen.
Die Modellierung von Organisationen anhand von empirisch belegbaren Materials ist davon geprägt, dass es zumeist weder eindeutige noch kausale Beziehungen zwischen numerischen Variablen geht. Stattdessen geht es um ambivalente, kommunikative Beziehungen von semantischen Werten, die häufiger qualitativ als quantitativ zu fassen sind.
Hinsichtlich der Modellierung von Organisationen haben sich in der forschenden akademischen Lehre folgende Ausgangspunkte
bewährt:

•   Kommunikation (füreinander anschlussfähige Operation aus den drei zusammenhängenden Selektionen Information, Mitteilung und Verstehen, die soziale Systeme erzeugt und erhält)

•   Kontingenz (alles Bestehende ist weder notwendig noch unmöglich und könnte immer auch anders möglich sein; insofern sind Voraussetzungen nötig, damit etwas Bestehendes überhaupt ist und so ist, wie es ist)

•   Komplexität (es können nicht alle Komponenten zugleich miteinander verbunden sein; somit sind Relationen und Elementen zu unterscheiden und über eine aktuelle selektive Struktur zu entscheiden)

•   Komplementarität (es wirken einander ausschließende, nicht aufeinander reduzierbare Beschreibungen derselben Referenz, die in ihrer wechselseitigen Ergänzung zum Verständnis notwendig sind)

•   Selbstreferenz (es wirkt eine „operationale Geschlossenheit“, gemgemäß können sich die Operationen innerhalb eines Geltungsbereiches nur auf sich selbst beziehen)


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