Mit den Gesetzen der Form von George Spencer-Brown werden formale Strukturen aus Relationen selbst dann analysierbar, wenn offene oder verdeckte Selbstbezüglichkeiten vorliegen

Spencer-Brown verstand unter einer Form das Setzen einer Grenze, die zwei Seiten voneinander trennt (bzw. unterscheidbar werden lässt) und immer nur eine davon als Anknüpfungspunkt für weitere Kommunikationen benutzt werden kann. Dieser Formbegriff ist vollständig befreit von tradierten Gegenbegriffen wie Materie, Substanz oder Inhalt. Außerdem schlägt er diametral zur Identitätslogik vor, statt von gewohnten Identitätsbezeichnungen besser von Unterscheidungen auszugehen: Etwas ist dadurch existent, dass es von allem anderen unterschieden werden kann! Die getätigte Unterscheidung ist die Voraussetzung dafür, daß überhaupt etwas "da" ist.

Eine solche Form der Unterscheidung setz sich zusammen aus wenigen Komponenten:
  • der Raum (empty space), in dem etwas unterschieden wird
  • die Unterscheidung (distinction)
  • die durch sprache markierte Innenseite der Unterscheidung (marked space)
  • die Außenseite der Unterscheidung (unmarked space)

Komponenten der Form einer Unterscheidung

Eine Unterscheidung (immer verstanden als unterscheiden und anschließendes Benennen des Unterschiedenen) kann nur an vorher getätigte Unterscheidungen anschließen und zugleich selber auch Anschlussmöglichkeiten für weitere, später
zu tätigende Unterscheidungen sein, wenn sie als asymmetrische Zweiseitigkeit konstruiert ist: Eine Seite wird vorgezogen, mit einer Bezeichnung belegt und damit zur bezeichneten Seite der Unterscheidung, an der später weitere Unterscheidungen und Benennungen anschließen können. Die nicht bezeichnete Seite der selben Unterscheidung und die Unterscheidung zwischen benannter und nichtbenannter Seite bieten keinerlei Anschlussmöglichkeiten für ein weiteres Tun.

Eine getroffene Unterscheidung wird notiert mit dem Zeichen




und daher kann die Form einer Unterscheidung notiert werden mit dem
Arrangement



Der anfänglich durch keinerlei Unterscheidung beeinträchtigte "Raum" (empty space) ist keinesfalls geographisch zu verstehen. Vielmehr kann er als Kontext verstanden werden, in dem eine Unterscheidung getätigt wird oder aber als Möglichkeitsraum, in dem eine Unterscheidung möglich ist. Diese Idee wird notiert mit dem Zeichen



und daher kann die vollständige Form einer Unterscheidung notiert werden mit dem erweiterten Arrangement



Die Relation f eines aufeinander Verweisens oder eines bistabiles Oszillierens zwischen den zwei Variabeln a und b wird bei Spencer-Brown notiert mit


und als grundlegendeste Form aus konstanten Strukturen und variablen Bezeichnungen ergibt sich dann die Notation



So wird ersichtlich: Jedes a ist nur dann a (Identität), wenn es sich von etwas unterscheidbar ist, was es nicht ist und doch als Voraussetzung (Implikation) nötig ist.

Jede Operation des Setzens einer Unterscheidung und des anschließenden Bezeichnens des durch diese Setzung Unterschiedenen kann an vorherigen Operationen anschließen und zugleich selber Anschlussmöglichkeit für spätere Operationen der selben Kategorie sein. Zu beachten ist, dass jeder Vollzug einer Operation auf Voraussetzungen angewiesen ist, die man auch als Kontext oder Möglichkeitsraum (mathematisch: Menge der Möglichkeiten) bezeichnen kann. Daher wird die Notation einer Form im Sinne des Ansatzes von Spencer-Brown dadurch erleichtert, dass die zu Operation auf der anschlussfähigen Innenseite und der implizit vorausgesetzte Möglichkeitsraum auf der Außenseite notiert wird. Es ergibt sich dann 

 
Eine Umsetzung dieses Formgedankens zeigt sich im St. Galler Management-Modell (2015). Die Umwelt eines Unternehmens wird ausdrücklich als "existenzrelevanter Möglichkeitsraum" verstanden und als "Potential für organisationsinterne Wertschöpfung" spezifiziert. 
Mit den Gesetzen der Form kann dieser Gedankengang notiert werden mit


wodurch das Unternehmen erkennbar wird als Einheit der Differenz von Unternehmen und seinen existentiellen Möglichkeiten zur internen Wertschöpfung, durch die das Unternehmen  seine Existenz erlangt und erhält.

Mit den Gesetzen der Form werden formale Strukturen aus Relationen selbst dann analysierbar, wenn offene oder verdeckte Selbstbezüglichkeiten vorliegen. 



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