Das WIE bestimmt das WAS    

Spencer-Brown verstand unter einer Form das Setzen einer Unterscheidung (make a distiction!) die zwei Seiten voneinander trennt und voneinander unterscheidbar werden lässt. Eine Seite wird dann als Anknüpfungspunkt für weitere Kommunikationen benutzt und durch Sprache markiert, diese Seite wird marked space genannt. Die andere Seite der gesetzte Grenze wird unmarked space betitelt und bietet wie auch die gesetzte Unterscheidung (distinction) keinerlei Anschlussmöglichkeiten für ein weiteres Tun zu gleicher Zeit. Das Setzten einer derartigen Unterscheidung wird notiert mit dem Zeichen



und mit diesem Zeichen können vier Grundgleichungen erstellt werden:
1) Die Existenz einer Unterscheidung wirkt so, wie sie wirkt
2) Das Fehlen e
iner Unterscheidung wirkt so, wie es wirkt
3) Die Wiederholung einer Unterscheidung hat keinerlei verändernde Wirkung
4) Das Zurücknehmen einer Unterscheidung löscht die Wirkung der Unterscheidung   

Mit diesen Grundgleichungen kann man Rechenoperationen durchführen.

Grundgleichungen von Spencer-Brown

Eine sich mit dieser Notation ergebende Form der Unterscheidung wird mit dem Arrangement




dokumentiert. Das hierbei benutzte Zeichen 
  hat zwei Komponenten: Mit einer vertikalen Linie wird auf eine Unterscheidung (distinction) aufmerksam gemacht und mit einer horizontalen Linie wird darauf die damit zugleich gegebene hinweisende (indication) Wirkung für eine bestimmte Bezeichung aufmerksam gemacht.   

Das Gemeinte kann man sich durch das Verwenden einer Lupe vorstellen: Das durch die Linse Sichtbare beschreibt den marked space und das außerhalb der Linse Gelegene ist der unmarked space. Die Fassung der Linse wirkt dabei als Unterscheidung (distinction). 

Visualisierung der Form der Unterscheidung

Der Akteur, der durch die Linse schaut, der ist wirkt als Beobachter (observer) wobei dies nur eine schwache Übersetzung aus dem Englischen ist, denn
to observe kann verschiedene Bedeutungen annehmen: es kann "etwas beobachten" meinen, für "(Regeln/Anweisungen) beachten, befolgen oder berücksichtigen" stehen oder aber "bemerken, feststellen oder anmerken (der Folgen eigener Tätigkeiten)" bedeuten.

Insofern meint die Bezeichnung the observer bei Spencer-Brown einen Akteur, der Regeln bzw. Anweisungen befolgen und die sich dadurch ergebenden Folgen feststellt. Eine Kamera beobachtet die zeitpunktbezogene Ausprägung der Bewegungen der Sinfoniker und ein Mikrofon beobachtet  das zeitpunktbezogene Auftreten einzelner Töne. Ein zuhörender Mozart-Fan genießt ergriffen die Harmonie der aufgeführten Sinfonie und ein gezwungenermaßen im Publikum sitzender
ACDC-Fan wird angsichts der langweiligen Musik von Schlafanfällen gequält.

Beobachter beobachten keinesfalls eine objektiv gegebene äußere Umgebung, sondern immer nur pfadabhängige Ergebnisse ihres eigenen Tuns. Kurzum: Das WIE bestimmt das WAS!



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